Digitale Nachbarschaftshilfe: 3 einfache Tools, um von Corona betroffenen Mitmenschen zu helfen

Digitale Nachbarschaftshilfe: 3 einfache Tools, um von Corona betroffenen Mitmenschen zu helfen

Angesichts der gegenwärtigen Situation in Lethargie verfallen? Nein! Die meisten von uns tun es nicht. Im Gegenteil: In den letzten Tagen und Wochen sind eine Fülle neuer Ideen und Initiativen entstanden, die auf die Corona-Krise reagieren. Ein Schwerpunkt sind digitale Tools für die Koordination von Nachbarschaftshilfe. Nicht in jedem Fall muss dabei das Rad neu erfunden werden:

 

1. Etablierte Nachbarschafts-Plattformen

Plattformen wie nebenan.de oder Crossiety (letztere stark vor allem in der Schweiz) wurden gezielt gegründet, um nachbarschaftliche Hilfen zu erleichtern und leisten einen wichtigen Beitrag in der aktuellen Situation. Beide Plattformen bieten eine Vielzahl an Funktionalitäten, etwa im Hinblick auf die Kommunikation zwischen den Beteiligten. Ein Nachteil: Aufgrund ihres sorgfältigen und damit etwas aufwändigeren Registrierungsprozesses erfolgt die Bestätigung neuer Mitglieder nicht unmittelbar.

Nebenan.de hat daher gemeinsam mit der Nebenan.de Stiftung eine kostenfreie Hotline (0800-866 55 44) sowie ein Kontaktformular eingerichtet, über die jeder Hilfegesuche stellen kann, egal ob registriertes Mitglied oder nicht. Die Gesuche werden dann an Nebenan.de Mitglieder aus der Nähe weitergereicht. 

2. Hashtag #coronahilfe

Eine simple Alternative ist, die bestehende Infrastruktur von eBay Kleinanzeigen zu nutzen. Wer sein Gesuch mit den Hashtag #coronahilfe versieht, signalisiert, dass sich das Gesuch gezielt an einen der Hilfebietenden richtet. Der Aufwand ist minimal. Wie gut sich der Hashtag in der Praxis bewährt, muss sich noch zeigen.

3. NEU: Drei gute Nachbarschaftshilfe Apps

Mit Spannung verfolgen wir die Entwicklung gleich mehrerer webbasierter Apps, die als Antwort auf die Corona-Krise entwickelt wurden oder als Betaversion gerade gestartet werden. Alle drei hier aufgeführten Apps haben zum Ziel, Hilfedienste im näheren Umfeld digital zu koordinieren:

  • Helping Hands: Das Projekt wurde von drei Absolventen der WHU Business School kurzfristig ins Leben gerufen und Mitte März gelauncht. Ihr Motto: „Im normalen Leben bauen wir Software-Firmen. In dieser aktuellen Situation müssen wir unsere Fähigkeiten für einen anderen Zweck einsetzen.“ Das Team bringt umfangreiche Erfahrung im Bereich IT und Busines Development mit ein und möchte international skalieren. Neben Deutschland sind insbesondere Italien und die USA im Blick.
  • Quarantänehelden: Diese einfache webbasierte App vernetzt ebenfalls Menschen, die Hilfe suchen, mit Menschen, die Hilfe anbieten. Die Initiative ist erfolgreich gestartet und hatte bereits nach wenigen Tagen über 30.000 Nutzer, die innerhalb von Deutschland (und teils auch der Schweiz) breit gestreut sind.
  • Helpunity: Ist eine Plattform, die über Projekte informiert, und eine App, die über einen Feed Hilfsangebote und Gesuche koordiniert. Die App steht in den Startlöchern und soll sich auch an Unternehmen mit Personalengpässen richten.

Alle drei Angebote müssen die Herausforderung meistern, dass ein effizientes Matchmaking nur funktioniert, wenn in einer bestimmten Region eine kritische Masse an Nutzern erreicht wird. Interessant sind daher Akteure, die regionale „Hotspots“ schaffen können, etwa Firmen, soziale Einrichtungen oder sonstige regionale Initiativen, die ihre Communities gezielt aktivieren können.

«Im normalen Leben bauen wir Software-Firmen. In dieser aktuellen Situation müssen wir unsere Fähigkeiten für einen anderen Zweck einsetzen.» Gründer von Helping Hands

Aktuell gibt es einen starken Angebotsüberhang. Bei Quarantänehelden lag die Zahl der registrierten Helfer anfangs um einen Faktor 100 größer als die Zahl der Hilfegesuche. Dies dürfte auch damit zutun haben, dass weite Teile derjenigen, die Hilfe benötigen, nicht im gleichen Maße digital unterwegs sind wie die jüngere Generation, die Hilfe anbietet. Hier sind kreative Lösungen noch gefragt.

Weitere Anregungen gesucht?

Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND-ev) hat eine Liste erstellt, mit einer Vielzahl weiteren Initiativen und Tools. Hier ist der Link.

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2020

Anmerkung in eigener Sache: Es gibt viele unterstützenswerte Initiativen. Auf der Gexsi Plattform featuren wir aktuell Helping Hands. Warum, könnt ihr in unserer ausführlichen Projektevaluation nachlesen.